Die Leitung der Studienreformkommission Medizinstudium wurde Ende der 1990er Jahre mit dieser Frage konfrontiert. Es gab Studierende, die behaupteten, noch nie Chemie gemacht zu haben. Das war sicher falsch, denn jede:r Maturand:in hat in der Schulkarriere mal Chemie gemacht, aber es geht ja häufig um Wahrnehmungen der eigenen Kompetenzen.
Als Mitglied der Forschungsgruppe Glycobiologie bei Prof. Berger am Institut für Physiologie der Universität Zürich begleitete ich Studierende im Physiologiepraktikum und organisierte die mündlichen Physiologieprüfungen und erkannte die Lücke schnell.
Mit beschränkten Finanzen und geringsten Ressourcen haben wir eine Chemieauffrischungsvorlesung entwickelt, die die Brücke von der Mittelschule zur universitären Chemie für Mediziner schlagen sollte.
Startend mit der Vorlesung für Allgemeine Chemie im Jahr 2004 durfte ich knapp 20 Jahre die Vorlesung für Human-, Zahn- und Veterinärmediziner:innen halten: eine Blockvorlesung in den ersten zwei Semesterwochen mit 14 Vorlesungslektionen. Ab 2006 kam die Organische Chemie mit zusätzlichen 14 Vorlesungslektionen hinzu.
Dabei galt es, die Inhalte der Hauptvorlesung nicht vorwegzunehmen, sondern vorausgesetzte Inhalte in der Sprache der Mittelschule zu wiederholen und zu festigen. Immer mit Blick auf die Inhalte der Hauptvorlesung.
Die Vorlesung hat sich in den knapp 20 Jahren methodisch stark weiterentwickelt:
Erstellung eines umfassenden Skripts mit Freiflächen für die Entwicklung von komplexeren Inhalten in der Vorlesung statt reiner PowerPoint-Folien
Präsentation via OneNote in MS Teams
Anreicherung mit Simulationen, Animationen und vereinzelten Erklärvideos
Integration von zahlreichen Übungen mit Hinweisen und Lösungen
Nutzung eines digitalen Whiteboards für Fragen, die zeitnah nach der Vorlesung beantwortet wurden